Interview mit „Jugend forscht“ Gewinner Patrick Ziesel

Der STIHL Azubi und „Jugend forscht“*-Gewinner Patrick Ziesel berichtet im Interview, wie es zu seiner Erfindung kam und was er seit dem Sieg im Bundeswettbewerb erlebt hat.

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Hallo Herr Ziesel, Sie sind Auszubildender bei STIHL. Zusammen mit Joshua Rikker von Bosch haben Sie den Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ in der Kategorie „Arbeitswelt“ gewonnen. Erklären Sie uns bitte, um was es sich bei der von Ihnen eingereichten Erfindung handelt?

Patrick Ziesel (P. Z.): Es handelt sich um einen tragbaren Holzspalter und um eine Fällhilfe.

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Mit Hilfe des Holzspalters ist ein sicheres und ergonomisches Spalten möglich.

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Bei der Forschungsarbeit mit dem entwickelten Holzspalter stießen wir noch auf eine andere Nutzungsmöglichkeit des Prinzips. Wir entwickelten das Gerät weiter und können es nun auch als Fällhilfe nutzen. Man spart das Einschlagen eines Fällkeils. Die daraus resultierende Gefahr, von Totholz aus der Baumkrone getroffen zu werden, kann nahezu ausgeschlossen werden. Das Baumfällen wird schneller, leichter und vor allem deutlich sicherer. Auch das Mitführen einer schweren Spaltaxt entfällt – eine Verbesserung der Ergonomie.

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Wie sind Sie auf die Idee für den Holzspalter gekommen?

P. Z.: Sowohl Joshua als auch ich sind auf dem Land aufgewachsen. Wir waren mit unseren Eltern häufig im Wald und sind früh in Kontakt mit dem Material Holz gekommen. Daher waren uns die Herausforderungen der Waldarbeit bekannt.

Woher hatten Sie das Material und die Werkzeuge, um Ihre Idee umzusetzen?

P. Z.: Das Material und die Werkzeuge bekamen wir von unseren Ausbildungsbetrieben STIHL und Bosch. Ohne diese Unterstützung wäre die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen. Genauso unterstützten uns auch in fachlicher Hinsicht viele Kollegen, was für die Optimierungen unserer Erfindung sehr wichtig war.

Was ist seit dem Sieg bei „Jugend forscht“ in Ihrem Leben passiert? Hat sich etwas verändert?

P. Z.: Es hat sich einiges verändert. Durch zahlreiche Einladungen zu Veranstaltungen, bei denen wir unser Projekt vorstellen, und Ehrungen, wie zum Beispiel der Empfang durch die Bundeskanzlerin im Kanzleramt, waren wir viel unterwegs. Als Highlight freuen wir uns über die Einladung zur ISEF (Intel International Science and Engineering Fair) nach Los Angeles im Mai 2014. Dort finden sozusagen die „Jugend forscht“ Weltmeisterschaften statt. Zudem habe ich viele interessante Kontakte knüpfen können.

Was sagen denn Ihr Ausbilder/Ausbildungsleiter und Ihre Azubi-Kollegen dazu, dass Sie nun plötzlich „berühmt“ und ständig auf Achse sind?

P. Z.: Ausbilder und Ausbildungsleitung unterstützen mich sehr. Sie helfen mir, alles unter einen Hut zu bringen. Denn trotz allen Rummels geht die Ausbildung vor! Viele Azubi-Kollegen haben zum Sieg gratuliert. Doch es sind auch kritische Stimmen zu hören, die ich aber eher als Ansporn sehe, weiter zu machen.

Haben Sie ein Auge dafür, wo sich Raum für Innovationen bietet und denken Sie auch bei der täglichen Arbeit darüber nach, was sich optimieren lässt?

P. Z.: Ich mache mir schon Gedanken, wie sich etwas verbessern lässt oder hinterfrage Prozesse. Aber wie alle Azubis durchlaufe ich verschiedene Abteilungen während meiner Ausbildung. Dabei machen sich alle Azubis Gedanken über mögliche Optimierungen.

Inwieweit wirkt sich der Sieg bei „Jugend forscht“ auf Ihren weiteren Berufsweg aus? Haben Sie Spaß am Ingenieurswesen gefunden und wollen Sie sich in dieser Hinsicht nach ihrer Ausbildung noch weiterbilden?

P. Z.: Natürlich hat sich mein Interesse an Entwicklung und Forschung intensiviert. Da ich in Abendschule gerade meine Fachhochschulreife erwerbe, ist die Basis für ein Studium da. Doch ob ich studiere oder mich anderweitig weiterbilde weiß ich noch nicht genau. Auch der Zeitpunkt ist noch unklar, da ich auch gerne noch Berufserfahrung sammeln möchte.

Arbeiten Sie schon an einer neuen Erfindung und verraten Sie uns, was es ist?

P. Z.: Nein, es gibt keine komplett neue Erfindung – vorerst. Gerade versuche ich mit Joshua die Fällhilfe zu optimieren und zur Serienreife zu bringen. Auch die Vorbereitungen für die ISEF werden Zeit in Anspruch nehmen.

Vielen Dank für das Interview. Wir sind gespannt, was Sie auf Ihrer Reise zum weltweit größten naturwissenschaftlichen Schülerwettbewerb erleben und wünschen Ihnen viel Erfolg!

*) „Jugend forscht“ ist Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb. Ziel ist, Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, Talente zu finden und zu fördern. Pro Jahr gibt es bundesweit mehr als 100 Wettbewerbe. Teilnehmen können Jugendliche ab der 4. Klasse bis zum Alter von 21 Jahren. Wer mitmachen will, sucht sich selbst eine interessante Fragestellung für sein Forschungsprojekt.

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