STIHL fragt, Josef Lang antwortet

Betritt man die Werkstatt des Bildhauers Josef Lang, ist man zunächst überwältigt von den bis zu 5 Meter hohen Holz-Skulpturen. Sie stellen Menschen dar und sind groß, bunt und kraftvoll. Josef Lang sägt die Figuren aus einem großen Eichenstamm. Wir haben den Künstler getroffen und ihm einige Fragen gestellt.

Bildhauer Josef Lang Zur Person Josef Lang:
Bereits als Kind entdeckte Josef Lang sein Interesse dreidimensionaler Darstellung und formte Figuren aus Knetmasse.
Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete er zuerst als Industriekaufmann. Später begann er eine Ausbildung zum Steinmetz, an die sich ein Studium der Bildhauerei anschloss. Seit 1986 lebt und arbeitet Josef Lang als freischaffender Bildhauer.

 

Herr Lang, wie sind Sie zur Bildhauerei gekommen?
Josef Lang (J. L.): Wenn ich als Kind ein Bild gemalt habe, war ich immer enttäuscht: Dreht man das Bild um, sieht man auf der Rückseite nichts. Ich wollte immer wissen, wie Dinge aus anderen Perspektiven aussehen. Die Bildhauerei erlaubt verschiedene Blickwinkel auf das Ergebnis.

Warum sind ihre Skulpturen aus Holz – und warum so groß?
J. L.: Mit Holz habe ich schon lange gearbeitet. Bis zu meiner ersten großen Skulptur habe ich allerdings maximal lebensgroße Figuren gefertigt. Die erste große Arbeit kam eher spontan zustande: Durch Zufall habe ich erfahren, dass in der Nähe eine große Eiche umgefallen war. Ich bin hingefahren, habe sie mir angesehen und sie gekauft. Daraus habe ich dann die erste richtig große Skulptur gesägt.

Warum gerade Holz und kein anderes Material?
J. L.: Ich denke, Holz ist – anders als Stein oder Metall – warm und lebendig. Es hat einfach eine andere Energie. Wenn ich Figuren auf Anfrage anfertige, fragen die Kunden meistens explizit nach dem Material Holz.

Wie kommen Sie an das Holz für Ihre Arbeiten?
J. L.: Anfangs habe ich immer herumtelefoniert und nach Baumstämmen gefragt: bei Forstämtern, Waldbesitzvereinigungen, Straßenbauämtern und Privatleuten. Seit ich mal für ein großes Projekt europaweit einen Baumstamm gesucht habe, kennen mich viele Leute. Jetzt werde ich angerufen, wenn sie einen Baumstamm haben. Inzwischen habe ich ein eigenes Holzlager hier im Ort. Die Baumstämme müssen erstmal drei bis vier Jahre trocknen. Wenn die Rinde abfällt, sind sie „reif“ zum Bearbeiten.

Bildhauer Josef Lang

Kaufen Sie jeden Baumstamm, den Sie kriegen können?
J. L.: Nein, ich fahre hin und sehe mir das Material an. Es muss technisch in Ordnung sein, darf also keine Kernfäule, keine Frostrisse in den Jahresringen und keine verfaulten Äste haben, die eingewachsen sind. Oft sieht man dies von außen nicht, sondern erst beim Sägen. Solche Schäden führen dazu, dass Stücke absplittern. Wenn so etwas absehbar ist, versuche ich dies zu umgehen und das Konzept der Figur zu ändern.

Wie gehen Sie bei der Herstellung einer Skulptur vor?
J. L.: Bevor ich anfange zu schneiden, laufe ich mehrere Tage um den Baumstamm herum, um zu ergründen, was da drin ist. Dann wächst eine Vorstellung von der Haltung, von der Kopfdrehung, wie die Figur die Arme hält und dann entsteht das Bild im Kopf.

Ich stelle den Baumstamm in meiner Werkstatt auf eine Drehscheibe und arbeite mit einem Gabelstapler, auf dem eine Gitterbox montiert ist. In der stehe ich. So kann ich mich von oben nach unten bewegen und den Baum nach allen Seiten drehen. Das Konzept habe ich im Kopf, es ist im jeweiligen Stamm angelegt. Deshalb mache ich keine Modelle, sondern zeichne die groben Schnitte lediglich am Holz an und dann kommt STIHL.

In Ihrer Werkstatt stehen verschiedene STIHL Sägen, mit welcher arbeiten Sie am liebsten?
J. L.: Am liebsten arbeite ich mit der MS 441 mit 70er Schwert für die Diagonalschnitte. Mit einer kleineren Säge sieht man nicht immer, wo man schneidet. Es ist gut, wenn man sieht, wo die Spitze vom Schwert wieder herauskommt. Wenn ich einen wichtigen Schnitt gemacht habe, muss ich erstmal runtersteigen und herumgehen, um zu sehen, wie sich dieser auf der anderen Seite auswirkt. Schließlich ist jede Perspektive wichtig.

Wie lange brauchen Sie, um eine Skulptur fertig zu stellen?
J. L.: Je nach Größe sind das etwa vier bis sechs Wochen. Man kann an so einer Figur nicht acht Stunden pro Tag arbeiten, irgendwann kann man nicht mehr: Wenn man so eine Säge mit einem 70er Schwert in der Hand hat, muss man voll da sein. Ich schneide diagonal und senkrecht; mit der Faser, gegen die Faser – das sind viele verschiedene Bewegungen. Das verlangt höchste Konzentration.

Bildhauer Josef Lang

Gibt es die Möglichkeit, Ihre Arbeiten zu sehen?
J. L.: Ja, auf der Kunstmesse ART in Karlsruhe, vom 18. bis zum 21. Februar. Oder Sie (be)suchen eine der Skulpturen, die im öffentlichen Raum stehen, eine Auflistung finden Sie auf meiner Website: http://www.joseflang-bildhauer.de/vita.html

Bildhauer Josef Lang

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