Brexit: Drei Fragen an Norbert Pick, STIHL Vorstand für Marketing und Vertrieb

Der 23. Juni 2016 wird wahrscheinlich in die Geschichtsbücher eingehen. An diesem Tag stimmte eine knappe Mehrheit der Briten für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Seitdem herrscht Unsicherheit über die möglichen Auswirkungen dieses Referendums – in Bevölkerung, Politik und Wirtschaft.

STIHL ist ein Global Player: 2015 erzielte das Unternehmen mit weltweit rund 15.000 Mitarbeitern einen Rekordumsatz von 3,25 Milliarden Euro. STIHL Produkte werden weltweit vertrieben – mit 36 eigenen Marketing- und Vertriebsgesellschaften, rund 120 Importeuren und mehr als 45.000 Fachhändlern.

Welche Auswirkungen hat also ein Brexit für ein global agierendes Unternehmen wie STIHL? Wir haben dazu Norbert Pick, STIHL Vorstand für Marketing und Vertrieb, befragt.

Foto von STIHL Vorstand: STIHL Vorstand für Marketing und Vertrieb Norbert Pick.

STIHL Vorstand für Marketing und Vertrieb Norbert Pick im Interview.

Herr Pick, STIHL vertreibt seine Produkte in über 160 Länder. Wie wichtig sind offene Grenzen für das Unternehmen?
Pick: Für die Geschäftstätigkeit der STIHL Unternehmensgruppe haben offene Grenzen in Europa eine essentielle Bedeutung. Unser Geschäft ist traditionell international ausgerichtet. Seit Jahrzehnten erzielen wir etwa 90 Prozent unseres weltweiten Umsatzes im Ausland, davon stammen fast 40 Prozent aus Lieferungen in den EU-Binnenmarkt. Von der rund einen Milliarde Euro Umsatz unseres deutschen Stammhauses gehen 60 Prozent in die EU. Eine Schließung von Grenzen oder Behinderungen bei den vier Freiheiten im Binnenmarkt – damit sind gemeint der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Arbeitskräften und Kapital – hätte für uns schwerwiegende Konsequenzen.

Welche Konsequenzen hätte denn ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für den internationalen Handel und für STIHL?
Pick: Bisher ist noch unklar, wann und wie der Austritt Großbritanniens aus der EU gestaltet werden soll und welche Konsequenzen das haben wird. Derzeit werden verschiedene Austritts-Modelle diskutiert. Allesamt haben sie gemeinsam, dass sie deutlich schlechter sind als die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU. Zum einen drohen für Handel und Direktinvestitionen Handelshemmnisse und somit mehr Bürokratie, höhere Kosten und insgesamt schlechtere Bedingungen für freies Unternehmertum. Außerdem droht ein langfristig schwächeres Pfund, das STIHL zu Preiserhöhungen zwingen könnte.

Wenn man die negativen Folgen eines möglichen Brexits betrachtet: Wird STIHL sich aus dem britischen Markt zurückziehen?
Pick: Großbritannien zählt zu unseren zehn umsatzstärksten Märkten weltweit und ist sehr wichtig für die STIHL Gruppe. Es ist daher deutlich zu sagen, dass wir unsere Marktpräsenz in Großbritannien auch nach dem Brexit nicht verringern werden. Wir werden keine Investitionen zurückfahren, sondern unsere Anstrengungen dort eher noch verstärken. STIHL steht zum britischen Markt.

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