Unsere historische Eissäge – stark gegen Eis und Schnee

Passend zu den Wintermonaten sind wir in unserem Archiv auf ein besonderes Fundstück gestoßen: die historische STIHL Eissäge.

STIHL entwickelte die Eissäge bereits in den 1950er Jahren, um einen neuen Markt zu erschließen. Einsatzgebiet der Säge waren beispielsweise zugefrorene Hafenanlagen sowie stark vereiste Schleusen. Denn mit der Eissäge konnten bis zu 60 Zentimeter dicke Eisdecken zersägt werden.

In kalten Wintern war die Säge auch zur Produktion von Eisblöcken sehr beliebt. Man spricht hierbei von der sogenannten „Eisernte“. Die Eisblöcke wurden an Brauereien geliefert, damit das Bier für den kommenden Sommer kühl gelagert werden konnte.

STIHL Eissäge

Mit diesem Bild warb STIHL in den 1950er-Jahren für die Eissäge.

Eisflächen in Hafenanlagen und Schleusen aufbrechen

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“: So begann Johann Wolfgang von Goethe in seinem Drama Faust den Monolog zu einem Osterspaziergang. Hilfsgerät gegen Eis und Schnee war zu dieser Zeit nur die Sonne. Gut eineinhalb Jahrhunderte später entwickelte STIHL für etwas hartnäckigere Fälle die STIHL Eissäge. Mit 8,5 PS und einem Komplettgewicht von 67 Kilogramm schnitt sich diese Säge senkrecht in die Eisdecken von gefrorenen Gewässern.

Nach dem Anwerfen des Motors auf dem Eis wurde die Sägevorrichtung mithilfe eines Stellhebels von der waagerechten Transportstellung in eine senkrechte Arbeitsstellung geschwenkt. Durch Ziehen oder Schieben der Säge auf den Kufen konnten so Stücke aus dem Eis geschnitten werden.

Im historischen Werbeflyer beschreibt STIHL, wie sich die „Kette in wenigen Sekunden durch das Eis frisst“. Bis zu 60 Zentimeter dicke Eisflächen konnten aufgebrochen werden. Eingesetzt wurde die Säge, um schwere Schäden an Schleusen, Hafenanlagen und eingefrorenen Schiffen zu vermeiden.

Werbeflyer für die STIHL Eissäge

Ein Auszug aus einem Werbeflyer für die STIHL Eissäge.

Eisernte für Kühlhäuser und Bobbahn

Interessant war die Säge auch für die Eisernte. Brauereien und Lagerhäuser kühlten vor der Verbreitung von elektrischen Kühlanlagen noch mit Natureis, das im Winter „geerntet“ wurde. Die Säge war hierfür ein sehr beliebtes Werkzeug, da mit ihrer Hilfe gleichmäßige Blöcke gesägt werden konnten. Das gewonnene Eis wurde in den Kellern gelagert, um den Sommer über die Biervorräte zu kühlen.

Aber auch im Winter wurden Eis und Schnee gebraucht: Mit einer Eissäge von STIHL wurden die zur sportlichen Betätigung benötigten Eisplatten für die Bobbahn-Weltmeisterschaften 1953 in Garmisch-Partenkirchen aus dem Rießersee gesägt.

Ein Relikt vergangener Zeiten

Zur damaligen Zeit war die Eissäge ein Versuch, die Vielfältigkeit des STIHL Produktprogramms zu steigern und so ein neues Marktsegment zur erschließen. Als jedoch Kühlhäuser in der Bundesrepublik der Wirtschaftswunderjahre immer häufiger elektrisch betrieben wurden, verlor die Eissäge an Bedeutung und ihre Produktion wurde eingestellt. Im Unternehmensarchiv haben sich Fotos und Werbeflyer von diesem außergewöhnlichen STIHL Oldtimer erhalten.

Kommentare lesen und kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *